
Wer Garne selbst färbt, ist nicht auf die Farbpalette der Garnhersteller angewiesen. Gerade bei einem neuen Webprojekt ist das praktisch, wenn nicht einfach irgendein Blau gebraucht wird, sondern ganz bestimmte Farbtöne miteinander kombiniert werden sollen.
In der Färbeküche des Weblabors entstehen deshalb regelmäßig eigene Farben. Grundlage sind genaue Farbrezepturen: Farbstoffe werden abgewogen, miteinander gemischt und die Mengen notiert. Schon kleine Veränderungen im Mischungsverhältnis können dabei einen deutlich anderen Farbton ergeben.
Bei dieser Färberunde ging es ausschließlich um Blau – und trotzdem sind sehr unterschiedliche Farben entstanden. Vom kräftigen leuchtenden Blau über Türkis und Petrol bis hin zu gedeckteren Blau- und Grautönen.

Gefärbt wird im Weblabor mit Oeko-Tex zertifizierten Säurefarbstoffen. Zur Fixierung braucht es dabei keine besonderen Chemikalien: Verwendet wird lediglich haushaltsübliche Essigessenz. Während des Färbens nimmt die Wolle den Farbstoff nach und nach aus dem Färbebad auf. Besonders schön ist dabei der Moment, wenn sich langsam zeigt, wie sich die geplante Farbmischung tatsächlich auf dem Garn entwickelt.
Nach dem Färben werden die Stränge ausgespült, geschleudert und zum Trocknen aufgehängt. Erst nebeneinander sieht man dann richtig, wie unterschiedlich die einzelnen Blautöne geworden sind.
Und genau das ist einer der großen Vorteile des Selberfärbens: Farben können gezielt für ein bestimmtes Gewebe entwickelt und aufeinander abgestimmt werden. Statt das Webprojekt nach den verfügbaren Garnfarben zu planen, kann die Farbe passend zum Entwurf entstehen.
Die getrockneten Stränge sind allerdings noch nicht bereit für den Webstuhl. Als Nächstes werden sie von den Strängen auf Konen gespult – und erst dann können aus den vielen Blautönen Kette, Schuss und schließlich ein neues Gewebe werden.

