Wenn am Webstuhl das Schiffchen hin und her fliegt und das Gewebe langsam wächst, sieht man vor allem das eigentliche Weben. Doch bis es so weit ist, sind schon viele Arbeitsschritte passiert. Denn bevor der erste Schussfaden eingetragen werden kann, muss einiges vorbereitet werden.

Das Garn vorbereiten

Am Anfang steht natürlich das Material. Viele Garne kommen im Weblabor als Stränge an. Je nach Projekt werden zunächst die passenden Farben ausgewählt oder die Garne selbst gefärbt. Nach dem Färben müssen die Stränge gründlich trocknen, bevor sie weiterverarbeitet werden können.

Anschließend wird aus dem Strang eine Kone. Das Garn wird aufgespult, damit es sich später gleichmäßig und problemlos weiterverarbeiten lässt. Erst dann ist es bereit zum Schären der Kette oder für die Verwendung als Schussgarn. Dazu wird es es auch nochmal einen eigenen Blog-Beitrag geben.

Von der Kone zur Kette

Für die Kette müssen Länge, Breite und Fadenzahl des geplanten Gewebes berechnet werden. Danach wird geschärt – je nach Projekt am Schärbaum oder mit der Direktzettelmaschine.

Die fertige Kette kommt anschließend auf den Webstuhl. Sie wird aufgebäumt, durch die Litzen und das Webblatt gezogen, angebunden und gespannt. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig sorgfältige Vorbereitung ist: Eine gleichmäßig gespannte und sauber eingezogene Kette erleichtert später das Weben erheblich.

Auch der Schuss braucht Vorbereitung

Bevor es losgeht, muss außerdem das Schussgarn vorbereitet werden. Für das Weben mit dem Schiffchen wird das Garn auf Schussspulen gespult. Davon braucht es je nach Größe des Gewebes eine ganze Reihe – und bei Farbwechseln natürlich entsprechend verschiedene.

Auch während des Webens gehört das Spulen deshalb immer wieder zum Arbeitsablauf: Ist eine Schussspule leer, muss die nächste bereitliegen.

Und dann kann endlich gewebt werden

Aber auch am Webstuhl selbst gibt es immer etwas zu tun. Die Kettspannung wird kontrolliert, das Gewebe weitergedreht, neue Schussspulen werden eingesetzt und Fäden angesetzt. Kleine Fehler sollten möglichst direkt entdeckt und korrigiert werden.

Gerade im Schuss kann sich die Gestaltung dabei noch weiterentwickeln. Farben können gewechselt, Streifen verändert oder Entscheidungen spontan beim Weben getroffen werden.

Bis ein Gewebe tatsächlich am Webstuhl wächst, ist also schon einiges passiert: färben, trocknen, spulen, rechnen, schären, bäumen, einziehen, anbinden und Schussspulen vorbereiten. Viele dieser Arbeitsschritte sieht man dem fertigen Stück später nicht mehr an – sie gehören aber genauso zum Handweben wie das Weben selbst.