Streifen gehören zu den ältesten und vielseitigsten Gestaltungselementen in der Handweberei. Sie wirken schlicht und klar, können aber ebenso lebendig, modern oder klassisch erscheinen. Dabei entstehen Längs- und Querstreifen auf ganz unterschiedliche Weise, je nachdem, ob die Farben in der Kette oder im Schuss angeordnet werden.

Längsstreifen – Kette
Längsstreifen entstehen durch unterschiedlich gefärbte Kettfäden. Bereits beim Schären wird festgelegt, welche Farben in welcher Reihenfolge auf dem Webstuhl liegen. Während des Webens bleiben diese Streifen über die gesamte Länge des Gewebes erhalten.
Da das Einrichten der Kette vergleichsweise aufwendig ist, lohnt es sich, das Streifenmuster sorgfältig zu planen. Mit unterschiedlich breiten Farbbereichen, regelmäßigen Wiederholungen oder bewusst gesetzten Akzenten lassen sich ganz unterschiedliche Wirkungen erzielen.

Querstreifen – Schoß
Querstreifen entstehen durch den Schussfaden. Anders als bei der Kette wird die Farbfolge hier nicht bereits vor dem Einrichten des Webstuhls festgelegt, sondern entwickelt sich erst während des Webens. Die Farbe des Schussfadens kann jederzeit gewechselt werden, dabei kann man sich an ein vorher entworfenes Design halten oder spontan entscheiden.
Diese Flexibilität eröffnet viele gestalterische Möglichkeiten. Breite oder schmale Streifen, regelmäßige Wiederholungen oder bewusst ungleichmäßige Farbwechsel lassen sich direkt am Webstuhl ausprobieren. Gefällt eine Idee nicht, kann sie schon beim nächsten Schuss verändert werden. So entsteht ein Gewebe, das sich während des Arbeitsprozesses weiterentwickeln darf.
Gerade deshalb eignen sich Querstreifen hervorragend, um mit Farben zu experimentieren. Unterschiedliche Farbkombinationen, sanfte Farbverläufe oder kräftige Kontraste lassen sich ohne großen Aufwand testen. Während die Kette den gestalterischen Rahmen vorgibt, bietet der Schuss viel Raum für Kreativität und spontane Entscheidungen.
Diese Freiheit macht Querstreifen besonders spannend, denn oft entstehen die schönsten Ideen erst während des Webens.

Wenn Kette und Schuss zusammenwirken
Besonders interessant wird es, wenn sowohl Kette als auch Schuss Farbwechsel enthalten. Treffen Längs- und Querstreifen aufeinander, entstehen Karos, Raster oder optische Farbwirkungen. Schon kleine Veränderungen in der Farbfolge oder Streifenbreite können das Gesamtbild deutlich verändern.
Auch die Bindung beeinflusst das Erscheinungsbild. Während in der Leinwandbindung Kette und Schuss gleichmäßig sichtbar sind, kann beispielsweise eine Köperbindung die eine oder andere Fadenrichtung stärker hervorheben.
Streifen sind weit mehr als nur eine einfache Musterung. Sie können Gewebe optisch strecken oder gliedern, Bereiche betonen und den Blick lenken. Durch unterschiedliche Breiten, Farbkontraste oder feine Abstufungen entstehen immer wieder neue Gestaltungsmöglichkeiten.
Gerade in der Handweberei lassen sich Streifen individuell planen und umsetzen. So wird jedes Gewebe zu einem Unikat, selbst dann, wenn das Grundprinzip denkbar einfach ist.
Wer mehr über Farbgestaltung, Bindungen und die Planung von Geweben erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, das Weblabor Marzhausen zu besuchen. Termine sind nach Absprache möglich.


















