
Jeder kennt es: „Heute mache ich blau!“ – eine Redewendung, die bedeutet, dass jemand nicht zur Arbeit oder Schule geht, sondern sich eine (meist unangekündigte) Auszeit nimmt. Doch woher kommt dieser Ausdruck eigentlich?
Ursprung in der Färberkunst
Die wahrscheinlichste Herkunft von „Blau machen“ liegt im mittelalterlichen Handwerk, genauer gesagt in der Färberkunst. Damals wurde Stoff mit Hilfe der Pflanze Färberwaid oder später mit Indigo blau gefärbt. Der entscheidende Schritt dieses Prozesses war das Trocknen an der Luft: Die frisch gefärbten Stoffe waren zunächst gelblich-grün und färbten sich erst durch die Oxidation mit Sauerstoff nach und nach blau.
Während dieser Wartezeit konnten die Färber nicht weiterarbeiten – sie hatten also einen „blauen Tag“.
Alkohol, Urin und die Färberküpe
Eine weitere, weniger bekannte Theorie besagt, dass Alkohol eine Rolle bei der Färbung spielte – und zwar nicht direkt, sondern über den Urin der Färber! Damals wurde Ammoniak benötigt, um die Indigo-Farbe zu lösen, und eine leicht zugängliche Quelle dafür war menschlicher Urin. Es heißt, dass die Färber besonders viel Bier oder Wein tranken, da ihr Urin dann eine bessere chemische Zusammensetzung für den Färbeprozess hatte.
Nach dieser "Vorbereitung" und dem eigentlichen Färbevorgang gönnten sich die Färber eine Pause – möglicherweise mit einem weiteren Krug Bier. So könnte sich das „Blau machen“ also auch darauf beziehen, dass nach dem Färben mit Indigo und der vorherigen „Ammoniak-Produktion“ erst einmal nicht gearbeitet wurde.
Verbindung zur Kirche
Eine andere Theorie besagt, dass „Blau machen“ mit dem kirchlichen „blauen Montag“ zusammenhängt. Im Mittelalter war es in vielen Handwerkszünften üblich, nach dem sonntäglichen Kirchgang den Montag als Ruhetag anzusehen – insbesondere bei Berufen mit körperlich anstrengender Arbeit oder häufigem Alkoholkonsum am Wochenende. Der „blaue Montag“ wurde so zum Synonym für einen freien oder zumindest arbeitsscheuen Tag.

Ob nun aus der Färberkunst, der mittelalterlichen Arbeitstradition oder vielleicht sogar der kuriosen Verbindung zwischen Bier und Indigo – „Blau machen“ hat eine lange Geschichte, die im Weblabor Marzhausen fortgesetzt wird. Allerdings mit Öko-Tex zertifizierten Farbstoffen und Essig-Essenz als Fixierer.