
n der Weberei spielt Effizienz, wie in den meisten Handwerken, in jedem Arbeitsschritt eine entscheidende Rolle – auch in der Kettvorbereitung. Während früher der Weg über den Schärbaum unverzichtbar war, bietet das direkte Zetteln seit der industriellen Revolution, eine Alternative: schnell, präzise und materialsparend.
Die Direktzettelmaschine übernimmt dabei die Aufgabe, das Kettgarn direkt vom Spulengatter auf den Webkettbaum zu wickeln – ohne den Umweg über einen separaten Schärbaum. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Platz, Material und Energie.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick hinter die Kulissen dieser Technologie, erklären, wie das direkte Zetteln funktioniert, wann es sich lohnt.
Bevor in einer Weberei der erste Schussfaden eingelegt wird, muss etwas Entscheidendes vorbereitet werden: die Kette. Damit sie auf dem Webstuhl gleichmäßig läuft, braucht sie perfekte Spannung, exakte Länge und Ordnung – und genau das funktioniert über eine Direktzettelmaschine deutlich einfacher als bei einem Schärbaum.
Was ist eine Direktzettelmaschine?
Die Direktzettelmaschine ist eine Anlage, die Kettfäden direkt von Spulen (Konen) auf einen Zettelbaum aufwickelt. Daher stammt der Name: direkt – weil keine Zwischenschritte über eine Schärtrommel nötig sind. Während beim Schärbaumverfahren die Kette in mehreren Abschnitten (Sektionen) nacheinander erstellt und anschließend auf den Webbaum übertragen wird, entstehen beim Direktzetteln alle Fäden gleichzeitig und in voller Breite.
Aufbau und Funktionsweise
Eine typische Direktzettelmaschine besteht aus folgenden Hauptkomponenten:
Konenrahmen (Creel): Hunderte Spulen stehen hier geordnet, jede liefert einen einzelnen Kettfaden.
Fadenspannungseinrichtung: Jedes Garn läuft über eine Vorrichtung, die für gleichmäßige Spannung sorgt – entscheidend für die spätere Webqualität.
Spreiteinrichtung (Fadenführung): Ordnet die Fäden exakt in der vorgesehenen Breite und Reihenfolge.
Mess- und Steuerapparat: Misst die Zettellänge und stoppt den Prozess bei Erreichen des Sollwerts.
Zettelbaum: Der fertige Satz an Kettfäden wird gleichmäßig aufgewickelt – direkt einsatzbereit für den Webstuhl.

Vorteile des Direktzettelns
Hohe Gleichmäßigkeit: Alle Fäden werden gleichzeitig gewickelt – Spannung und Länge sind nahezu identisch.
Hohe Geschwindigkeit: Direktzetteln ist wesentlich schneller als das Schären an einem üblichen Schärbaum, auch können viel längere Ketten erstellt werden.
Einfache Handhabung: Ideal für einfarbige oder technische Gewebe mit gleichmäßiger Struktur.
Geringere Fadenbeanspruchung: Da die Fäden nicht um eine Trommel gelegt werden, entsteht weniger Reibung und Zugbelastung.
In der modernen Weberei ist die Direktzettelmaschine kaum wegzudenken. Sie bildet die Grundlage für: Technische Textilien, Automobilstoffe, Denim- und Arbeitsgewebe und Großserienartikel im Heimtextilbereich.
Gleichzeitig bleibt das herkömmliche Schären, gerade in der Handweberei unverzichtbar.
Die Direktzettelmaschine ist das Arbeitspferd der Webereivorbereitung: präzise, robust und schnell. Sie steht für Effizienz und Gleichmäßigkeit – die Grundlage hochwertiger Gewebe.
Und auch wenn das Schärbaumverfahren in Sachen Flexibilität nicht zu schlagen ist, zeigt die Direktzettelmaschine, dass technische Einfachheit manchmal der Schlüssel zu industrieller Perfektion ist, für die Handweberei aber in den meisten Fällen viel zu aufwendig und überdimensioniert.
Das Weblabor Marzhausen verfügt zwar über keine Direktzettelmaschine, doch wer sich für den Schärvorgang interessiert, ist herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen und dabei zu sein, wenn die Kettfäden auf die richtige Breite, Länge und Dichte gebracht werden.









